Sankt Hell Festival, 27.-28.12.2016, Grünspan HH – Nachbericht

Sankt Hell 2016, 27.-28.12.2016, Grünspan Hamburg – Nachbericht

Das Sankt-Hell-Festival fand zum zweiten mal statt, nach der geglückten Premiere im letzten Jahr im Rock Café St. Pauli diesmal allerdings im Grünspan. Einlass war um 17:30 und als ich eintraf, war es noch sehr entspannt. Also kurz eingecheckt, Pass eingesammelt, das erste Bier geholt und auf die erste Band gewartet.

Und hey, Deville waren ein perfekter Opener. Flotter Stoner-Rock und eine Band, die augenscheinlich richtig Bock hatte, auch wenn die Reihen sich erst recht langsam füllten.

Bushfire waren beeindruckend, vor allem der Sänger ist der Hammer! Der Rest des Fünfers blieb etwas blass, aber die Präsenz und die Bluesrock-Stimme von Frontmann Bill Brown hat das alles wieder raus gerissen. Beim letzten Song hat er sogar teilweise im Publikum gesungen. Diese Band bleibt auf jeden Fall unter Beobachtung, würde ich mir sogar mal in einem Solo-Konzert anschauen.

Black Temple waren…speziell. Die Schweden machen Noise-Rock – und genauso klingt das auch. Der Sänger sieht ein bisschen aus wie Kurt Cobain und gibt wirklich alles. Sehr leidenschaftlich, aber auch ein bisschen Psycho-mäßig sieht das schon aus, wenn er sich auf der Bühne hinkniet, hinwirft oder krümmt. Die Musik war okay, die Stimme nicht so meins. Insgesamt eher ein sehens- als ein hörenswerter Auftritt, für mich zumindest.

The Order of Israfel danach waren wieder eine ganz andere Hausnummer – so muss Classic Doom klingen! Die Schweden haben in ihrem Leben anscheinend eine ganze Menge Black Sabbath gehört, was man auch deutlich hören konnte. Toller Auftritt!

Bullet haben den mittlerweile gut gefüllten Laden dann endgültig zum Ausrasten gebracht. Was die Jungs an Spielfreude mitbringen, ist einfach unglaublich. Und bei diesem Auftritt wurde auch durchaus in die Show-Trickkiste gegriffen. Ob nun die Kostümwechsel des Sängers, eine in einer Sound-Box versteckte Marionette, die zum Rocken aufforderte oder der Amboss, auf den bei einem Song von einer vermummten Gestalt geschlagen wurde, hier gab es immer etwas zu sehen. Musikalisch kam auch endlich mal mehr Bewegung in die Masse, inklusive der ersten Moshpits und vereinzelten Crowdsurfern. Bester Auftritt des Abends!

Von den Truckfighters im Anschluss hatte ich leider etwas mehr erwartet. Erstmal das Positive – die Energie, mit der Gitarrist Niklas Källgren über die Bühne springt, ist echt phänomenal. Die Energie zwischen der Band und den Fans war auch klasse. Allerdings fand ich den Sound jetzt nicht so optimal. Die Stimme von Sänger Oskar Cedermalm ging leider etwas zu sehr im Getöse der Musik unter, egal welchen Standpunkt (vorne, Mitte, beim Soundpult) ich ausprobiert hatte. Aber egal, den Fans schien es größtenteils trotzdem gut gefallen zu haben, was natürlich die Hauptsache sein sollte. Für mich endete der erste Festivaltag dann zwar nicht völlig begeistert, aber erwartungsvoll, was den zweiten Tag angehen sollte.

Der startete dann wieder pünktlich um 18:00 Uhr, mit Jesus Chrüsler Supercar. Ein bisschen Rock’n Roll hier, ein bisschen Stoner-Rock da – doch, das war eine interessante Mischung und ein guter Auftakt.

Dune Pilot waren für mich eine der Neuentdeckungen des Festivals! Tolle Stimme, Songs, die direkt ins Ohr gehen und das ganze mit ordentlich Spaß und Spielfreude auf die Bühne gebracht. Desert-Rock schimpft sich das ganze übrigens. Doch, die Jungs habe ich bestimmt nicht zum letzten mal gesehen.

Mothers Cake haben das Tempo dann wieder etwas raus genommen. Prog-Rock ist halt immer Geschmackssache, mir waren die Songs live irgendwann dann doch etwas ZU lang und zäh. In das im Januar erscheinende Album „No Ryme No Reason“ werde ich natürlich aber trotzdem mal rein hören.

The New Roses haben im Anschluss wirklich alles versucht, um für ordentlich Stimmung zu sorgen. Das Publikum war leider etwas zurückhaltend und ist nicht auf jede Animation eingegangen. An der Musik kann es eigentlich nicht gelegen haben, die war – von den anfänglichen Sound-Problemen mal abgesehen – nämlich wirklich klasse. Und was die Sympathie-Werte angeht, liegen die Jungs aus Rheingau natürlich ganz weit vorne. Für mich persönlich war das trotzdem einer der besten Auftritte des Festivals, einfach weil die Jungs mir musikalisch total liegen. Freu mich schon auf das neue Album, dessen Aufnahmen in Kürze beginnen!

Conan im Anschluss waren…mächtig. Mächtig basslastig, mächtig episch und vor allem mächtig…laut. Eine Doom-Band mit zwei unterschiedlich klingenden Stimmen ist schon interessant. Und das Massen-Headbangen vor der Bühne sah schon beeindruckend aus, das Trio kam also offensichtlich gut an.

Dann war es Zeit für den Headliner Orange Goblin. Und hey, die waren ein wirklich würdiger Headliner! Immer auf Augenhöhe mit dem Publikum, sangen, tanzten und rockten sich Front-Hüne Ben Ward und seine Mannen in die Herzen der Zuschauer. Der Sound war klasse, zum Glück auch wieder etwas leiser als bei Conan, dafür aber differenzierter. Und die Songs wurden direkt vom ersten Ton an abgefeiert. Auch schön, wie die Herren sich über so Kleinigkeiten freuen konnten, wie etwa die vom Backstage-Bereich auf der Empore per Handzeichen angeforderte Bierlieferung. Doch, die hatten sichtlich Spaß bei ihrem Auftritt – und die Leute in der ersten Reihe wurden teilweise auch mit Bier versorgt. Soll doch niemand durstig nach hause gehen. Die anderthalb Stunden Auftritt gingen auf jeden Fall extrem schnell vorbei. Jederzeit wieder!

Kurz nach halb eins war dann auch der zweite Festivaltag vorbei. Das Sankt Hell ist ein entspanntes kleines Festival mit einer interessanten Musik-Mischung. Wenn alles passt, sehen wir uns 2017 bestimmt wieder!