Metal Hammer Paradise, 11.-12.11.2016, Weissenhäuser Strand – Nachbericht

Das Metal Hammer Paradise 2016 ist schon wieder Geschichte – und es war trotz Kälte ein heißer Ritt!

Anreise war bei mir am Freitag gegen 15:30. Danach wurde erstmal das Apartment bezogen, kurz ein Happen gegessen und das erste Bier vernichtet, bevor es musikalisch mit den Kassierern los ging. Und…üähhh! Ich habe ja schon einiges über diese Band gehört, gesehen und gelesen, aber die ganze Pracht dann live zu sehen und zu hören ist dann doch nochmal etwas anderes. Einfacher Punk mit Texten auf “Blumenkohl am Pillermann”-Niveau. Ich war wohl noch nicht betrunken genug für diesen Auftritt und bin nach fünf Liedern dann doch zu Pentagram gegangen. Den Schnappschuss des nackten Wölfis findet man auf Flickr. 😉
Vielleicht wäre Pentagram von Anfang an die bessere Wahl gewesen, die waren nämlich richtig gut! Bobby Liebling sieht zwar ziemlich unfit aus, ist auf der Bühne aber absolut agil und war gut bei Stimme. Wer ein Faible für Black-Sabbath-geprägten Doom hat, konnte da definitiv nichts falsch machen.
Auch Brainstorm haben dem Publikum im Baltic Ballroom ordentlich eingeheizt. Leider konnte ich den Auftritt nicht zuende gucken, da auf der Maximum Metal Stage bald Zeit für die Pretty Maids war, die ich nicht verpassen wollte.
Und die Pretty Maids haben dann einen der besten Auftritte des Festivals hin gelegt. Was für eine Show und was für ein Sänger! Die Range von Ronnie Atkins ist einfach beeindruckend. Unfassbar gute Stimme! Und was da an Spielfreude und Leidenschaft an den Tag gelegt wurde, war einfach mehr als beeindruckend. Ganz toller Auftritt – und die Songs vom neuen Album “Kingmaker” haben sich gut in das Best-of-Programm eingefügt. Ist aber auch eine wirklich gelungene Scheibe.
Dirkschneider mit dem Accept-Programm hatte es danach bei mir ein bisschen schwerer. Die Songs sind wirklich toll, aber ich bin einfach kein großer Fan von Udos Stimme. Diesmal klang er allerdings wirklich nicht ganz so kreissägig wie sonst. Im Gegenteil, er hat das Singen auch zum Teil seinen Bandkollegen und zu einem guten Teil dem Publikum überlassen. Eine energiegeladene Liveshow und ein letztendlich absolut zufriedenes Publikum inklusive.
Der Versuch, später zu Dust Bolt zu gehen, endete vor der völlig überfüllen Riff Alm…schade, die Jungs hätte ich gerne mal wieder gesehen. Also nochmal kurz auf ein Bier ins Apartment, bevor mit Apocalyptica der Freitags-Headliner auf der großen Bühne stand. Und…boah, unfassbar! Ich war ja skeptisch, ob die viele Intrumentalmusik nicht auf Dauer langatmig sein könnte – aber nein, das war wirklich sehr beeindruckend. Alleine schon der schiere Klang der Cellos war toll, von zärtlich wimmernd wie eine Geige bis hin zu hart wummernd wie ein Bass. Und die Lautstärke war beeindruckend! Den Sänger, der teilweise mit auf der Bühne war, hätte ich gar nicht unbedingt bebraucht. Natürlich waren die Metallica-Stücke absolute Highlights, allen voran Master of Puppets und One. Und dass die Finnen mit ihren Instrumenten so viel auf der Bühne herum laufen, hätte ich auch nie gedacht. War alles andere als langweilig. Apocalyptica war zusammen mit den Pretty Maids für mich die beste Band des Festivals. Wir sehen uns auf der Tour in Hamburg!
Dann ging es noch kurz auf ein Gute-Nacht-Getränk zur Aftershow-Party. Wisst ihr, was das männliche Pendant zu Helene Fischer in der Metal-Szene ist? Bon Jovi! Unglaublich, wie die härtesten Metaller plötzlich den kompletten Text von “You give love a bad name” mitsingen können. War schon eine echt tolle Stimmung. Leider tat die Müdigkeit ihr Übriges und ließ mich gegen halb drei im Apartment und kurze Zeit später im Land der Träume verschwinden.
Der Samstag begann mit einem ausgedehnten Frühstück und mit einem Strand-Besuch. Schon eine tolle Location, direkt an der Ostsee. Kalt war es, aber schön sonnig.
Musikalisch ging für mich der zweite Tag mit Anvil los. Die Herren hatten ordentlich Spaß auf der Bühne, das hat man ihnen angemerkt. Leider war der Sound hier nicht ganz optimal. Aber egal, der Spaß-Faktor war trotzdem extrem hoch. Hoffe, die mal in Hamburg erleben zu dürfen, gerne auch bei einem Headliner-Gig.
Onkel Tom hat im Anschluss dann auch für ordentlich Partystimmung gesorgt. Vom-Zettel-Ablesen inklusive. Aber immerhin steht Onkel Tom dazu, mittlerweile eine Lesebrille zu brauchen. 😀 Musikalisch war das jetzt keine Offenbarung, aber die Stimmung war toll.
Aufgrund eines etwas länger andauernden Abendessens habe ich den Anfang von Overkill verpasst. Asche über mein Haupt! Die letzte Dreiviertelstunde war dann aber wieder sehr lohnenswert. Overkill sind einfach eine absolut sichere Bank, was Live-Performances angeht. Ja, man merkt Bobby mittlerweile auch an, dass er älter wird und häufiger zum Verschnaufen von der Bühne geht, aber spätestens bei “Fuck you!” war die Thrash-Metal-Welt wieder völlig in Ordnung.
Als kurzfristigen Ersatz für Iced Earth wurde Freedom Call verpflichtet! Natürlich kein ebenbürtiger Ersatz, aber die Happy-Metaller haben trotzdem einen klasse Gig hingelegt. Und einen Tag nach Album-Veröffentlichung auf einem Festival spielen zu können, ist doch eine tolle Werbemaßnahme. “Master of Light” ist übrigens sehr hörenswert.
Danach war Schandmaul an der Reihe. Leider war der Auftritt meiner Meinung nach etwas enttäuschend. Der Sound war nicht gut, so dass man Thomas Lindner schlecht verstehen konnte. Und dass ist bei einer Band, die genrefremd als einzige Mittelalterband auf einem Metal-Festival spielt und bei der es ja auch viel auf die Texte ankommt, einfach keine gute Grundvoraussetzung. Das Publikum wirkte sehr reserviert und die Band zunehmend dadurch angefressen. Da kam keine gute Verbindung zwischen den Musikern auf der Bühne und den Leuten vor der Bühne auf. Schade, vielleicht wäre der kleinere, intimere Baltic Ballroom da die bessere Wahl gewesen. Und Annihilator dann auf die große Bühne. So wirkte der gesamte Auftritt etwas unrund. War für mich leider die Enttäuschung des Festivals.
Apropos Baltic Ballroom – mein kurzer Ausflug zu den Blues Pills war klasse! Was die Sängerin Elin Larsson da an Energie auf die Bühne bringt, ist absolut beeindruckend. Und diese Stimme! Toller Retro-Rock.
Als letzte Band des Festivals habe ich mir Saxon gegeben. Und die hatten einen richtig guten Abend erwischt. Biff Byford wirkte für seine Verhältnisse fast fröhlich und hatte sich zwischendurch die Kutte eines Fans geliehen. Metal von Kuttenträgern für Kuttenträger quasi. Coole Aktion! Und mit einer Best-of-Saxon-Setlist kann man ja eh kaum etwas falsch machen. So endete der musikalische Teil des Festivals mit einem gelungenen Auftritt.
Die Aftershowparty war abermals ein voller Erfolg, wieder mit Bon Jovi, diesmal allerdings mit “It’s my life” 😉 Gegen halb Vier war dann für mich aber Schluss, schließlich musste am Folgetag schon wieder abgereist werden.
Das war wieder ein sehr gelungenes Festival. Die Bands, die ich gesehen habe, waren fast alle richtig gut drauf. Kritik? Der Sound hätte hier und da etwas klarer sein können und die Bier-Auswahl ist etwas mau (Jever). Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, insgesamt wird einem beim Metal Hammer Paradise immer eine ganze Menge geboten. Die kurzen Wege sind ein Traum, es ist schön, auch mal eine Rückzugsmöglichkeit im Warmen zu haben und es gibt kaum diese Party-Touristen wie auf großen Festivals. Wenn alles klappt, sehen wir uns 2017!

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